Akute Gefahr: PayPal Freunde & Familie = kein Käuferschutz
Die Freunde-&-Familie-Option ist nur für Geschenke gedacht. Sobald du damit Waren bezahlst, verzichtest du auf Käuferschutz. Betrüger auf Kleinanzeigen fordern genau diese Methode, weil du bei PayPal in der Regel keine Chance hast. Wichtig: Es kann eine Ausnahme geben, wenn die PayPal-Zahlung als SEPA-Lastschrift von deinem Girokonto eingezogen wurde (z. B. Sparkasse) – dann kann eine Rückgabe der Lastschrift möglich sein, wenn du schnell bist.
Ich kaufe und verkaufe selbst regeläßig auf Kleinanzeigen und sehe immer wieder die gleiche PayPal-Betrugsmasche. Viele nutzen „Freunde & Familie“ aus Gewohnheit - genau dieser Routine-Reflex macht es Betrügern leicht. Man denkt „mach ich sonst auch“, und schon ist das Geld weg.
So läuft die Masche
Klassisches Vorgehen, das aktuell überall auftaucht:
- Gekapertes Konto: Ein älterer Account (z. B. seit 2021) wird gehackt und wirkt dadurch vertrauenswürdig.
- Zu gut, um wahr zu sein: Ein High-Value-Artikel (hier: 8 TB Samsung SSD) wird für 200 € eingestellt - deutlich unter Marktpreis.
- Neue PayPal-Adresse: Im gehackten Profil wird ein frisch verknüpftes PayPal-Konto hinterlegt.
- Druck auf den Käufer: Zahlung per „PayPal Freunde/Family, bitte als Freund senden“ - angeblich wegen „Gebühren sparen“.
- Mehrfachverkauf: Der gleiche Artikel wird zeitgleich an mehrere Käufer „verkauft“.
- Schnelles Cash-out: Das Geld wird sofort weitergeleitet; kurz darauf wird das Konto entweder vom Betr├╝ger gel├Âscht oder von Kleinanzeigen wegen verd├Ąchtiger Aktivit├Ąten gesperrt (z. B. wenn derselbe Artikel mehrfach parallel verkauft wird und das System dies erkennt).
Warum „Freunde & Familie“ so riskant ist
- Kein Käuferschutz: PayPal lehnt Rückbuchungen bei Warenkauf über F&F fast immer ab.
- Kaum Nachweise: Offiziell schenkst du Geld, daher bist du in Beweisnot.
- AGB-Verstoß: Nutzung für Waren bricht PayPal-AGB - deine Position wird schwächer.
- Verkäufer kann dich blocken: Kein Kommunikationskanal mehr, nachdem das Geld weg ist.
- Routineverhalten macht es Betrügern leicht: Wer „eh immer F&F nutzt“, senkt automatisch die Wachsamkeit. Genau darauf bauen PayPal-Betrüger.
So lehnst du höflich ab
Sag freundlich, aber klar: „Ich zahle gern, aber nur mit Käuferschutz/PayPal Waren & Dienstleistungen. Die Gebühr übernehme ich.“ Wenn der Verkäufer darauf besteht, beendest du das Gespräch. Wer seriös ist, hat damit kein Problem.
Kleine Beträge um 5 € für ein altes Shirt plus Versand? Das mag jemand als F&F riskieren. Aber ab 50 € sollte die Alarmglocke läuten - dann gilt: nur mit Käuferschutz oder bei Abholung.
Diese Sätze sind rote Flaggen
- „Bitte als Freund senden, sonst kommen Gebühren drauf.“
- „PayPal Käuferschutz kostet mich 3 %, mach Freunde.“
- „Abholung geht leider nicht, ich schicke sofort los.“
- „Vertraust du mir nicht? Schau, ich bin seit 2021 hier.“
Warnsignale auf einen Blick
- Preisdumping: 20-50 % unter Marktpreis bei gefragter Hardware (SSDs, Konsolen, iPhones).
- Frisch verknüpftes PayPal: „Neues Konto, bitte schick dahin“.
- Keine Abholung: Trotz Wohnortnähe wird Abholung/Übergabe abgelehnt.
- Hektik: „Andere warten schon“, „Muss heute noch raus“.
- Account-Inkonsistenzen: Alte Registrierung, aber wenige/neue Bewertungen, anderer Schreibstil.
- Dokumente als „Beweis“: Fotos von Ausweis oder angeblichem Sendeschein sind leicht gefälscht oder stammen vom echten Kontoinhaber.
- Preisgrenze: Kleine Beträge um 5 € für ein altes Shirt? Das kann man im Einzelfall noch per Freunde-Zahlung riskieren. Aber ab 50 € sollte die Alarmglocke läuten - dann gilt: nur mit Käuferschutz oder bei Abholung.
Checkliste vor jeder Zahlung
Nutze diese Liste, bevor du überweist
- Abholung oder Video-Call mit Live-Bild des Artikels möglich?
- Stimmen Name, IBAN, PayPal-Adresse und Profilname überein?
- Gibt es Bewertungen/Verlauf, die zum Profil passen?
- Preis mit Idealo/Ebay/Geizhals abgeglichen - unrealistischer Rabatt?
- Screenshot von PayPal „Waren & Dienstleistungen“ gefordert (kein F&F)?
- Aktuelles Foto mit handschriftlichem Datum erhalten?
Sichere Zahlungswege statt F&F
Empfohlen
- Bar bei Abholung: Vor Ort testen, Quittung schreiben lassen.
- Kleinanzeigen-Zahlung mit Käuferschutz: In-App nutzen, keine externen Links.
- PayPal Waren & Dienstleistungen: Käuferschutz aktiv, Verkäufer trägt Gebühr.
- Seriöse Treuhand: Nur bekannte Dienste, keine Links aus dem Chat.
- SEPA-Überweisung an Händler: Privat nur bei Abholung.
Nicht tun
- Keine PayPal Freunde & Familie für Waren.
- Keine Geschenkkarten/Crypto als Bezahlung.
- Kein „Versand vor Zahlung“ bei Unbekannten.
- Keine Screenshots als „Beweis“ akzeptieren - nur echte Zahlungswege mit Käuferschutz.
Mein Fall: 8 TB SSD für 205 € – Betrug, PayPal Freunde, Geld trotzdem zurück
Viele glauben: „PayPal Freunde = Geld weg.“ In den meisten Fällen stimmt das leider. In meinem Fall gab es aber einen Ausweg, weil die Zahlung nicht aus PayPal-Guthaben kam, sondern als SEPA-Lastschrift von meinem Girokonto (Sparkasse) eingezogen wurde.
Was passiert ist
- Kleinanzeigen-Angebot: Samsung 8 TB SSD auffallend günstig (205 €).
- Profil wirkte „alt“: Account seit 2021, aber wenig/uneinheitliche Bewertungen.
- Druck Richtung Freunde-Zahlung: „Bitte PayPal Freunde, dann fallen keine Gebühren an.“
- Gezahlt & dann Funkstille: Kurz nach der Zahlung war der Verkäufer nicht mehr erreichbar, das Profil verschwand, keine Sendungsnummer, kein Paket.
Der entscheidende Punkt: SEPA-Lastschrift (Girokonto) statt PayPal-Guthaben
Ich hatte PayPal mit meinem Girokonto verknüpft. Dadurch wurde die „Freunde“-Zahlung als Lastschrift von der Bank eingezogen. Und genau diese Lastschrift konnte ich im Onlinebanking zurückgeben.
Wann diese Rückgabe überhaupt funktionieren kann
- Du siehst im Onlinebanking eine PayPal-Lastschrift: z. B. „PayPal Europe“ / „PayPal (Europe) S.a.r.l.“ als Zahlungsempfänger.
- Frist (SEPA-Core): In der Regel kannst du eine autorisierte Lastschrift innerhalb von 8 Wochen ohne Begründung zurückgeben. Bei nicht autorisierten Lastschriften kann die Frist bis zu 13 Monate betragen.
- Nicht möglich, wenn du aus PayPal-Guthaben, per Überweisung oder z. B. mit einer endgültigen Sofortzahlung bezahlt hast.
- Alternativ: Bei Kreditkarte kann manchmal ein Karten-Chargeback möglich sein (Bank/Kartenanbieter).
Schritt für Schritt: So habe ich die Lastschrift zurückgegeben
- Transaktion im Sparkasse-Onlinebanking gesucht: Typ „Lastschrift / Folgelastschrift“, Partner: PayPal.
- Button geklickt: „Lastschrift zurückgeben“ (manchmal auch „Return direct debit“).
- Begründung (falls gefragt): „Ware nicht erhalten – Verkäufer nicht erreichbar.“
- Ergebnis: Der Betrag war bei mir sofort wieder auf dem Girokonto sichtbar (je nach Bank kann es auch bis zum nächsten Bankarbeitstag dauern).
Was danach mit meinem PayPal-Konto passiert ist
- PayPal hat mir mitgeteilt, dass mein Kontostand vorübergehend negativ ist (z. B. −205 €).
- Mein Konto wurde nicht dauerhaft gesperrt, aber neue Zahlungen können zeitweise eingeschränkt sein, bis der Fall geklärt ist.
- PayPal versucht anschließend, das Geld vom Empfänger (Verkäufer) einzuziehen. Kann der Verkäufer keinen Versand/Nachweis liefern, stehen die Chancen gut, dass es dabei bleibt.
Vorlagen, die du im Ernstfall kopieren kannst
Nachricht an den Verkäufer (E-Mail)
Text an die Bank (wenn du den Button nicht findest)
Hinweis
Die Rückgabe einer Lastschrift ist kein „Trick“ für harmlose Streitfälle. Nutze sie nur, wenn du tatsächlich keine Ware erhalten hast und der Verkäufer nicht reagiert. Dokumentiere alles (Chat, Anzeige, Transaktion), damit du im Zweifel nachweisen kannst, warum du rückgebucht hast.
So reagierst du im Betrugsfall
- Sofort bei PayPal melden: Auch bei F&F im Konto die Transaktion öffnen und „Problem melden“ nutzen (oft wird es abgelehnt, aber es erzeugt Aktenlage).
- Bank/Kreditkarte informieren: Wenn die PayPal-Zahlung über SEPA-Lastschrift oder Karte lief, sofort Rückbuchung/Chargeback prüfen. Bei Lastschrift im Onlinebanking nach „Lastschrift zurückgeben“ suchen (Fristen beachten).
- Kleinanzeigen-Support kontaktieren: Anzeige/Konto melden, Chatverlauf sichern.
- Polizei/Anzeige: Screenshots, PayPal-Transaktion, Chat, Angebotslink, Kontaktdaten sammeln.
- Passwörter ändern: Falls dein eigener Account kompromittiert sein könnte.
Beweise sammeln
- Chatverlauf (Screenshots & Export)
- Anzeige-URL, Artikelbilder, Profilname
- PayPal-Transaktions-ID, Zahlungszeitpunkt, Empfängeradresse
- E-Mails von Kleinanzeigen/PayPal
- Eigene Notizen zu Uhrzeit und Gesprächsverlauf
Prävention in 60 Sekunden
Kurz-Checkliste
- Immer Käuferschutz (Kleinanzeigen-Zahlung oder PayPal Waren & Dienstleistungen).
- Abholung verlangen, wenn es irgendwie m├Âglich ist.
- Preis und Marktwert abgleichen.
- Bei Druck oder F&F-Forderung: Abbruch.
- Profilhistorie und Sprache prüfen.
- Keine Links aus Chat öffnen, nur offizielle Zahlungswege nutzen.
Merksatz
„Ist der Preis zu gut und der Verkäufer will Freunde-Zahlung, ist es kein Schnäppchen, sondern ein Risiko.“
Teile diesen Leitfaden mit Freunden und Familie, die auf Kleinanzeigen kaufen. Je mehr Menschen die Schwachstellen von PayPal Freunde & Familie kennen, desto schwerer haben es Betrüger.
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